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Kunst mit Licht inszenieren

Kunst mit Licht inszenieren: Vom neutralen White Cube zum theatralischen Auftritt à la Hollywood

So wie Künstler ihre bildnerischen Werke einerseits objektiv konzipieren und andererseits sehr subjektiv darstellen, so unterschiedlich präsentieren Galerien und Museen auch die jeweiligen Ausstellungen. Dabei tragen nicht nur die Anordnung der Exponate sowie die Ausstellungsarchitektur zur Schaffung eines neutralen oder aber eines theatralischen Gesamtbildes bei; auch die Beleuchtung der Kunstwerke spielt eine nicht unmaßgebliche Rolle. Zudem muss die Beleuchtung konservatorischen und energetischen Anforderungen gerecht werden. Welche planerischen und technischen Aspekte für die unterschiedlichen Präsentationsformen relevant sind, erklärt dieser Artikel.



Licht generiert sehr unterschiedliche Stimmungen in Ausstellungsräumen. So, wie in klassischen Atelierräumen die Oberlichter diffuses, weiches Licht für ein neutrales Ambiente über den ganzen Tag hinweg bieten, tritt über die elektrische Beleuchtung mit Wandflutung ein vergleichbarer, ruhiger, nüchterner Charakter ein. Damit entsteht ein ideales Umfeld, um einen sachlichen Eindruck von den Kunstwerken zu erhalten. Lange Zeit arbeiteten zahlreiche Museen mit diesem Tageslichtprinzip oder mit diffusen Oberlichtern beziehungsweise Lichtdecken. Allerdings kann in den Räumen sowie bei der Kunstbetrachtung auf Grund der kontrastarmen Präsentationsform auch ein Gefühl von Monotonie entstehen. Insbesondere historische Museen haben diese Gleichförmigkeit kompensiert, indem sie die Wandfarben in ihrer Sättigung und Helligkeit zwischen den Ausstellungsräumen subtil oder intensiv variierten. Eine ähnliche Kontrastwirkung lässt sich ebenfalls über Beleuchtung erzielen.

Über den Anteil von diffuser Grundbeleuchtung und gerichteter Akzentbeleuchtung kann so der Kurator steuern, ob eine sachliche oder dramatische Stimmung den Ausstellungssaal prägen soll. Mit einer flexiblen Infrastruktur von Stromschienen in Kombination mit Strahlern, die über wechselbare Linsen für unterschiedliche Lichtverteilungen sowie komfortable Dimmbarkeit verfügen, kann der Kurator individuelle Lichtkonzepte für aufeinanderfolgende Ausstellungen bei minimalem Aufwand erreichen. Effiziente LED-Lichttechnik hilft ihm, Energie zu sparen und gleichzeitig auch konservatorisch anspruchsvolle Lichtlösungen zu realisieren.



Helles und gleichmäßiges Licht für neutrale Kunstpräsentation

Steht ein großer Überblick von Exponaten oder eine kontemplative Stimmung im Vordergrund, gilt es, auch mit der Beleuchtung diese Atmosphäre einzufangen und eine neutrale Haltung auszudrücken. Da Künstler in ihren Werkstätten häufig mit funktionaler, diffuser Beleuchtung arbeiten, streben sie folglich auch für das Licht in den Ausstellungen ein Ambiente an, das der Beleuchtung in den eigenen Arbeitsräumen entspricht. Die Moderne hat zudem den opulent ausgestatten Galerieräumen des 19. Jahrhunderts ein Ende gesetzt und präsentiert die Kunst in nüchternen, leeren Räumen. Der Kunstkritiker Brian O’Doherty hat diese Entwicklung in seiner einflussreichen Publikation „Inside the White Cube: The Ideology of the Gallery Space“ (1976) zusammengestellt. Für die Künstler der Color Field Bewegung waren gerade diese leeren, sachlichen Räume der passende Rahmen für ihre Kunst. In der Verantwortung des Lichtplaners liegt es dann, diese Haltung mit der Beleuchtung aufzunehmen, wie der Lichtplaner Scott Rosenfeld für die sogenannte "Color Field Gallery" im Smithsonian American Art Museum in Washington erklärt: „Our objective when lighting our modern galleries, especially the one dedicated to Color Field painting, is to help artworks appear as a natural extension of the white wall. The lighting should subtly ‚pop‘ works off the wall without making them look ‚spot lit‘. If the relationship between the wall and the work is perfect, it will appear almost to float on the wall."

Dies repräsentiert natürlich einen deutlichen Bruch mit der Geschichte, wie er weiter ausführt: „This is opposite from the way we light installations in our nineteenth century galleries where paintings are hung on deeply colored walls."
Die uniforme Helligkeitsverteilung auf vertikalen Flächen bewirkt demzufolge eine weiche und harmonische Atmosphäre, bei der die Bilder mit der Wand eine Einheit bilden. Diese neutrale Stimmung kommt speziell bei großformatigen Bildern eindrucksvoll zur Geltung. Neben der Betrachtung der Kunst baut sich zugleich ein ruhiger sowie weiter Raumeindruck auf. Für diese Lichtlösung sind Wandfluter prädestiniert, da sie über eine spezielle Lichtverteilung verfügen und so in der Vertikalen und Horizontalen die notwendige hohe Gleichmäßigkeit erzielen. Soll eine Ausstellung allerdings nicht nüchtern wirken, sondern einzelne Werke individuell hervorheben, so repräsentiert die Akzentbeleuchtung den theatralischen Gegenpol.



Kontrastreiche Lichtinszenierung für den dramatischen Auftritt

Bei der Flut von Bildern, mit denen man sich im Alltag und insbesondere im Museum konfrontiert sieht, steht der Kurator vor der Herausforderung, den Blick auf das einzelne Kunstwerk zu fokussieren. In der Filmwelt setzt Hollywood intensive Akzentbeleuchtung ein, um Stars bei Festivals auf dem roten Teppich in Szene zu setzen oder die Protagonisten im Film über intensive Hell-Dunkel Kontraste markant hervorzuheben.
Wenn sich bei Ausstellungen der Raum visuell zurückzieht, rücken die Exponate als Protagonisten automatisch in den Vordergrund und der Betrachter kann sich einfacher auf die Kunstwerke konzentrieren. Dunkle, farbig gestrichene Wände haben in historischen Museen auch diesen Effekt erzielt und eine subtile Tiefenwirkung erzeugt, die den Blick stärker auf die Kunst lenkt. Da gegenwärtig an vielen Stellen helle weiße Wände moderne Ausstellungsräume dominieren, ist dieser Gestaltungseffekt an vielen Orten verloren gegangen. Dennoch kann ein individuelles Kunstwerk deutlich hervorgehoben und die eben beschriebene Tiefenwirkung erzielt werden, wenn ein Strahler einen Helligkeitskontrast zur Umgebung durch einen deutlich akzentuierten Lichtkegel aufbaut. So rückt das hell angeleuchtete Bild in den Vordergrund und der Wandfläche fällt eine sekundäre Bedeutung zu. Durch die Verwendung unterschiedlicher Beleuchtungsstärken lässt sich die Akzentbeleuchtung auch zum Aufbau von Wahrnehmungshierarchien nutzen. Damit kann der Kurator Verbindungen zwischen Kunstwerken schaffen und die Ausstellung innerhalb eines Raumes oder einer Raumfolge gliedern.

Einige Ausstellungen präsentieren bereits mit den Bildinhalten kontrastreiche Hell-Dunkel-Szenen, wenn beispielsweise in der Schwarz-Weiß-Fotografie der Fotograf mit dem Gegensatz von Licht und Schatten ein Portrait dramatisch in Szene setzt. In diesen Fällen kann durch Akzentbeleuchtung eine besondere Magie entstehen, da die Atmosphäre in der Ausstellung die Stimmung in den Bildern aufgreift. Begrenzt man die Lichtkegel mit Projektionsstrahlern exakt auf die Bildformate der Exponate, so entsteht eine besondere Faszination, da die Kunstwerke von innen heraus zu leuchten scheinen.
Kontrastreiche Lichtinszenierungen lassen sich in ihrer theatralischen Wirkung sogar noch steigern, wenn das Licht nicht mehr konstant auf die Bilder fällt, sondern dynamisches Licht in der Ausstellung eingesetzt wird. Bereits Peggy Guggenheim hat dynamisches Licht in ihrer ersten New Yorker Galerie „The Art of This Century gallery“ um 1940 verwendet, um so einen neuen Zugang zur Kunst zu schaffen und pulsierendes Leben optisch durch pulsierendes Licht zu vermitteln. Solche dynamischen Inszenierungen mit Akzentbeleuchtung immer zu verwenden, würde über die Zeit auch einfältig und langweilig wirken. Daher ist eine variable Infrastruktur für die Beleuchtung essentiell.



Flexibel auf wechselnde Präsentationen reagieren

Da Kuratoren und Ausstellungsmacher mit äußerst unterschiedlichen Beleuchtungsanforderungen an Museen herantreten, scheint eine Antwort schnell in technisch komplexen Lichtlösungen zu münden. Nicht nur die Kunstwerke erfordern auf Grund ihrer Größe unterschiedliche Beleuchtungsarten, sondern auch Künstler sowie eigene oder externe Kuratoren bringen vielfältige Wünsche ein, wie das Licht eine Ausstellung optimal zur Geltung bringen soll. Zudem können neue Positionen von Ausstellungswänden eine räumliche Neuanordnung der Leuchten verlangen.
Leuchtensysteme, die fest installiert sind und dabei ausschließlich eine Beleuchtungsanforderung abdecken, wie eine enge Akzentuierung kleiner Exponate, die Flutung großer Kunstwerke oder die Wandflutung für Bilder, scheiden aus wirtschaftlichen Aspekten aus. Kaum ein Museum kann es sich leisten, für alle Räume eine große Auswahl alternativer Leuchten vorzuhalten. Die Lösung muss daher in einer flexiblen und einfach handhabbaren Strategie liegen. So ist zunächst eine flexible Infrastruktur von Stromschienen, Strahlern und wechselbaren Linsen erforderlich, um so bei Ausstellungswechsel auf neue Exponate angemessen reagieren zu können. Stromschienen sind prädestiniert, weil sich die Leuchten hierbei mühelos austauschen und versetzen lassen. Zudem können sie in Ausstellungen mittels Adapter zusätzlich zur Stromversorgung von Exponaten oder zur mechanischen Abhängung von Objekten verwendet werden. Die zweite Stufe der Flexibilität besteht in einfach ausrichtbaren Strahlern, die sich präzise auf die einzelnen Kunstwerke ausrichten lassen – beispielsweise mit dem klassischen Neigungswinkel von 30° für eine harmonische Modellierung mit Licht und Schatten oder mit einer steilen Lichteinfallsrichtung für ein dramatisches Streiflicht, um Texturen mit markanten Schlagschatten zu betonen.

Die dritte und sehr entscheidende Stufe der Flexibilität liegt in der Variabilität der Lichtverteilungen - von einer ausdrucksvollen Akzentuierung bis hin zu einer sachlich wirkenden Wandflutung. Wechselbare Spherolitlinsen eröffnen dem Kurator eine hohe Gestaltungsfreiheit bei der Wahl eines Lichtkonzepts sowie bei kurzfristigen Anpassungen. Diese dem Strahler vorgelagerte Linse bestimmt durch die Ausprägung der Spheroliten die Lichtverteilung der Leuchte. Die Bandbreite der Lichtverteilungen reicht von rotationssymmetrischen Lichtverteilungen von sehr eng mit weniger als 10° bis zu breiten Flutung > 80° über achsensymmetrische Lichtverteilungen für ovale Lichtkegel bis hin zu asymmetrischen Abstrahlungen für gleichmäßige Wandflutung. Werkzeuglos lassen sich die Spherolitlinsen am Leuchtenkopf bequem austauschen, sodass schnell und einfach eine andere Lichtverteilung generiert werden kann.
Auf elektronischer Seite ist Dimmbarkeit eine unverzichtbare Größe in der Flexibilität, um das Beleuchtungsniveau bei empfindlichen Exponaten anzupassen – sei es über die Lichtsteuerungsanlage oder direkt am Strahler oder in der Kombination. Trotz aller Konzentration auf eine maximale Flexibilität ist Konstanz in einigen Aspekten für die Lichtqualität ebenfalls unverzichtbar. Die Farbtemperatur sowie die Farbwiedergabe sollten zwischen verschiedenen Produktfamilien konstant sein, um Farbunterschiede bei miteinander korrespondierenden Räumen oder bei späteren Ergänzungen mit Leuchten auszuschließen. Der Schlüssel zur Flexibilität liegt somit in einer einfachen und modularen Leuchtensystematik, die Gestaltungsfreiheit und Planungssicherheit bietet und dabei zur wirtschaftlichen Effizienz der technischen Museumsinfrastruktur beiträgt.



Präsentation von Kunst und Schutz von Exponaten aufeinander abstimmen

Die opulente Präsentation von Kunst in lichtdurchfluteten Räumen oder mit dramatischer Akzentuierung mag verführerisch sein, um hohe Besucherzahlen und zahlreiche Sponsoren für eine wirtschaftlich erfolgreiche Ausstellung zu erreichen. Diese Strategie bleibt bei sensiblen Exponaten aber nicht ohne negative Konsequenzen. Irreversible fotochemische Reaktionen sowie Effekte durch Wärmestrahlung gefährden die langfristige Schau des Objektes. Am offensichtlichsten fällt der Verlust von Farbe auf, wenn infolge hoher UV-Strahlung Farben verblassen und dem Kunstwerk den kraftvollen Ausdruck nehmen. Durch den hohen Anteil von UV-Strahlung im Tageslicht ist ein sensibler Umgang mit verglasten Fenstern und Glasdächern besonders essentiell. Doch auch durch die elektrische Beleuchtung entsteht eine UV-Belastung für die Exponate. Glücklicherweise fällt der Schädigungsfaktor bei modernen warmweißen LEDs noch geringer aus als bei Niedervolt-Halogenlampen mit UV-Filter. Mit dem Wechsel von Temperaturstrahlern, wie der Halogenlampe, hin zur LED ergibt sich ein weiterer bedeutender Vorteil für den Konservator: Das Problem der Infrarot-Strahlung hat sich aufgelöst, da die weißen LEDs im Vergleich zu ihren Vorgängern keine Infrarotstrahlung emittieren.

Beleuchtungsempfehlungen für Museen und Galerien

  1. Ausstellungen inszenieren: Die kuratorische Entscheidung für ein bestimmtes Ausstellungskonzept bildet den Leitfaden für das Lichtkonzept. Die Bandbreite reicht dabei von der uniformen Beleuchtung bis hin zur kontrastreichen Inszenierung mit Akzentbeleuchtung und dynamischen Lichtsequenzen. Kommunizieren Sie das Thema Ihrer Ausstellung mit Licht!
  2. Flexibilität sicherstellen: Um langfristig auf wechselnde Kunst- und Präsentationsformen reagieren zu können, empfiehlt sich eine anpassungsfähige Infrastruktur mit Stromschienen. Wechselbare Optiken für unterschiedliche Ausstrahlungswinkel, Dimmbarkeit des Leuchtmittels und eine flexible Lichtsteuerung gewährleisten auch für die Zukunft optimale Beleuchtungsbedingungen für Museen.
  3. Konservatorische Aspekte einbeziehen: Die konservatorischen Forderungen zum Schutz der Bilder stehen den Bedürfnissen der Betrachter nach ausreichender Helligkeit gegenüber. Zum Schutz der Exponate müssen schädigende Lichtspektren durch Kunst- oder Tageslicht möglichst vermieden werden. Dimmbare, warmweiße LED-Beleuchtung stellt heute das Optimum für sensible Kunstwerke dar.
  4. Von Effizienz profitieren: Wirtschaftliche Beleuchtungstechnik senkt die Betriebskosten und schafft so einen finanziellen Spielraum, der es erlaubt, in Sammlung und Präsentation zu investieren. Hohe Lichtausbeute, hoher Leuchtenbetriebswirkungsgrad sowie lange Lebensdauer wirken sich positiv auf die Betriebskosten aus.
  5. Mit gutem Sehkomfort arbeiten: Gut abgeblendete Leuchten und eine sorgfältige Leuchtenanordnung unterstützen die Lichtinszenierung. Damit lassen sich Direktblendung sowie Indirektblendung über Glasflächen minimieren und fördern so den uneingeschränkten Kunstgenuss.

 
Kunst mit Licht inszenieren

Dr. Thomas Schielke

Dr. Thomas Schielke studierte Architektur an der Technischen Universität Darmstadt, Deutschland. Er arbeitet seit mehr als 10 Jahren als Redakteur für didaktische Kommunikation bei dem Leuchtenhersteller ERCO und ist Koautor des Studienbuches „Lichtpositionen zwischen Kultur und Technik“.