Ausstellung „Framing Light": Wie sich Kunst mit dem Licht verändert


Wenn wir von Licht in der Kunst sprechen, meinen wir meist das Licht innerhalb eines Gemäldes: Atmosphäre, Stimmung und Wahrnehmung. Die Ausstellung „Framing Light" im ERCO Showroom in London erweitert diesen Gedanken. Hier wird Licht nicht nur dargestellt, sondern selbst zum aktiven Bestandteil der Ausstellung. Die Werke von Adam Leef und Howard Hodgkin treten in einen Dialog über Landschaft, Erinnerung und Farbe.
Zugleich verändert eine dynamische Beleuchtung von ERCO fortlaufend die Art, wie diese Werke wahrgenommen werden. Kuratiert von Maya Binkin, vereint die Ausstellung neue Werke aus Leefs English (Hampshire) Suites mit ausgewählten handkolorierten Drucken von Hodgkin. Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit Licht – als künstlerischem Gegenstand ebenso wie als Mittel der Wahrnehmung.

ERCO Showroom, Dover Street, London
Um diese unterschiedlichen Dimensionen des Lichts sichtbar zu machen, bringt die Ausstellung zwei sehr verschiedene künstlerische Positionen zusammen. Adam Leef nähert sich dem Licht über genaue Beobachtung und das sorgfältige Studium atmosphärischer Veränderungen. Howard Hodgkin hingegen übersetzt Erinnerungen und Emotionen in unmittelbare Gesten und intensive Farbharmonien. Für Maya Binkin liegt in diesem Gegensatz der Kern von „Framing Light": die Frage, wie unterschiedlich Licht erfahren werden kann – als beobachtetes Phänomen ebenso wie als emotionale Erinnerung.
Gemeinsam mit ERCO entwickelte man ein Ausstellungskonzept, das genau diese Frage aufgreift. Statt die Werke unter gleichbleibenden Bedingungen zu präsentieren, wird die Galerie selbst zu einer sich wandelnden Lichtumgebung. In einem Zyklus von etwa zehn Minuten verändert sich das Licht fortlaufend und simuliert charakteristische Lichtstimmungen eines englischen Tages. Momente der Helligkeit wechseln mit bedeckten Phasen, während das Licht wärmer oder kühler wird und so unterschiedliche atmosphärische Zustände schafft.
So begegnen die Besuchenden denselben Werken immer wieder aufs Neue. Farben treten hervor oder zurück, die räumliche Tiefe verändert sich, und Details werden sichtbar, die zuvor kaum wahrnehmbar waren. Für Maya Binkin war die Zusammenarbeit mit ERCO auch eine Gelegenheit, einen sonst unsichtbaren Aspekt der kuratorischen Arbeit sichtbar zu machen.
Die Zusammenarbeit mit ERCO hat mir die Möglichkeit gegeben, dieses sonst unsichtbare Element meiner Arbeit in den Vordergrund zu rücken und in Bewegung zu versetzen.
Maya Binkin, Kuratorin
Licht war schon immer Teil des Ausstellungsmachens, bleibt aber meist im Hintergrund. In „Framing Light" wird dieses Element gezielt in den Vordergrund gerückt und in einen Zustand steter Veränderung versetzt. Der Ausstellungsraum selbst wird Teil der Erzählung. Licht übernimmt eine aktive Rolle im kuratorischen Konzept, statt sich auf die Beleuchtung der Kunstwerke zu beschränken.
Die Installation hinterfragt zudem die traditionelle Trennung von Kunstwerk und Umgebung. Die Werke erscheinen nicht länger als statische Objekte, sondern als Werke, die fortwährend mit ihrer Umgebung in Wechselwirkung treten. Licht wird zum Medium, durch das sich die zentrale Frage der Ausstellung erfahren lässt: Wie verändern sich Wahrnehmung, Atmosphäre und Bedeutung, wenn sich die Bedingungen des Sehens verändern?

Die technische Grundlage dieser Installation bildet die Tunable White Technologie. Sie ermöglicht das stufenlose Anpassen der Lichtfarbe und simuliert so unterschiedliche Tageslichtsituationen innerhalb eines Ausstellungsraums.
Für Maya Binkin liegt die besondere Stärke dieser Technologie nicht allein in ihrer technischen Flexibilität, sondern auch in ihrem kuratorischen Potenzial. Die Möglichkeit, „das Licht selbst formbar zu machen" und es in die Erzählung einer Ausstellung einzubinden, eröffnet neue Wege, um das Publikum für Kunst zu begeistern. Licht kann Atmosphäre schaffen, Stimmungen verändern und beeinflussen, wie Besuchende sowohl einen Raum als auch die darin gezeigten Werke wahrnehmen. Für Adam Leef war die erste Begegnung mit dieser Technologie ein Schlüsselmoment. „Das ist die Zukunft der Beleuchtung von Ausstellungsräumen und Galerien," sagt er über die Möglichkeit, Kunstwerke unter einer Beleuchtung zu erleben, die sich auf die individuellen Farben, die Oberfläche, die Materialität und die Medien des jeweiligen Werks sowie dessen spezifische Anforderungen abstimmen lässt.

Im Verlauf des Zyklus wechselt die Beleuchtung zwischen wärmeren und kühleren Farbtemperaturen. Warmes Licht betont die Rosa-, Violett- und Erdtöne in den Werken. Kühleres Licht hingegen hebt Blau- und Grautöne hervor und verstärkt Assoziationen mit bedecktem Himmel und wechselhaften Wetterstimmungen. Ebenso wichtig ist die außergewöhnlich hohe Farbwiedergabe über den gesamten Einstellbereich hinweg. Die Integrität der Farben bleibt erhalten, während unterschiedliche Aspekte der Werke sichtbar werden. Die Besuchenden erleben keine verfälschten Farben, sondern vielmehr unterschiedliche Lesarten desselben Kunstwerks.
Das ist die Zukunft der Beleuchtung von Ausstellungsräumen und Galerien.
Adam Leef, Künstler

Die dynamische Beleuchtung verändert nicht die Kunstwerke selbst, sondern die Art, wie sie wahrgenommen werden. Genau darin liegt ihre kuratorische Stärke. In den zurückhaltenden Aquarellen der English (Hampshire) Suites treten je nach Lichtsituation bestimmte Farbbeziehungen in den Vordergrund. Ein kühleres Lichtszenario kann die Verbindung zwischen Himmel und Landschaft betonen, während wärmere Lichttöne die erdigen Farben eines Werks in den Fokus rücken.
Auch Howard Hodgkins Drucke offenbaren unter wechselnden Bedingungen neue Facetten. Die ausdrucksstarke Farbpalette seiner Werke wirkt je nach Lichtcharakter mehr oder weniger intensiv und emotional aufgeladen. Gemeinsam zeigen beide künstlerischen Positionen, dass Licht nicht einfach sichtbar macht – es formt die Wahrnehmung aktiv. Die wechselnden Lichtsituationen eröffnen fortwährend neue Perspektiven auf dieselben Werke. Farbnuancen, Kontraste und räumliche Tiefe wandeln sich beständig und machen die Wahrnehmung eines Kunstwerks zu einem offenen Prozess statt zu einem festen Moment.

Zugleich erinnert die dynamische Beleuchtung an die Bedingungen, unter denen die Werke selbst entstanden sind. Künstlerinnen und Künstler arbeiten nur selten unter den konstanten Lichtverhältnissen eines Museums oder "White Cube"-Raumes. Ob im Atelier oder im Freien – Licht verändert sich ständig. Die Installation holt ein gewisses Maß dieser Unvorhersehbarkeit zurück in den Ausstellungsraum und macht deutlich, wie stark unsere Wahrnehmung von Kunst von den Bedingungen abhängt, unter denen wir sie betrachten. So erleben die Besuchenden eine ungewöhnliche Form der Ausstellungsbetrachtung. Statt ein Werk in einem einzigen Moment zu erfassen, sind sie eingeladen, zu verweilen, zu beobachten und Veränderung bewusst wahrzunehmen. Das Sehen selbst wird Teil des Erlebnisses.
Die Ausstellung zeigt einen grundlegenden Wandel im Verständnis von Museums- und Galeriebeleuchtung. Beleuchtung wird nicht mehr allein als technische Infrastruktur verstanden, sondern als Mittel kuratorischen Ausdrucks. Für Adam Leef lässt sich die Bedeutung des Lichts schlicht zusammenfassen: „Licht ist für Kunstschaffende das, was Akustik für Musiker ist." Licht ist die unsichtbare Voraussetzung, die es der Kunst erlaubt, ihre Tiefe, Komplexität und emotionale Wirkung zu entfalten. Seine Zusammenarbeit mit ERCO hat ihm gezeigt, wie präzise moderne Lichttechnik auf die spezifischen Anforderungen einzelner Werke und Ausstellungen eingehen kann. Für Maya Binkin reicht die Bedeutung dieses Ansatzes weit über die Ausstellung selbst hinaus.


Licht kann dazu beitragen, Atmosphäre und Emotion zu gestalten und zu prägen, wie sich Besuchende durch einen Raum bewegen und auf ihn reagieren.
Maya Binkin, Kuratorin
Die Möglichkeit, Licht dynamisch einzusetzen, eröffnet Kuratorinnen und Kuratoren neue Formen des Erzählens. Wenn Licht sich verändern kann, wird es zu einem Werkzeug, um Atmosphäre zu schaffen, Emotionen zu vermitteln und Besuchende durch eine Ausstellung zu führen. Dynamische Beleuchtung erweitert das kuratorische Repertoire somit um eine zusätzliche erzählerische Ebene. Zugleich stellt Binkin klar, dass die Lichtintervention niemals zu einem technischen Effekt oder Spektakel werden darf. Entscheidend ist, dass die Kunstwerke selbst stark genug sind, um unter wechselnden Bedingungen neue Qualitäten zu offenbaren. Beleuchtung soll die Wahrnehmung schärfen, nicht von den Werken ablenken.

Framing Light zeigt, dass Licht weit mehr ist als ein Mittel zur Beleuchtung von Kunst. Es beeinflusst, wie wir sehen, was wir wahrnehmen und welche Bedeutungen wir einem Werk zuschreiben. Für Adam Leef ist Licht die unsichtbare Grundlage des künstlerischen Erlebnisses; für Maya Binkin ist es ein aktives kuratorisches Medium. Gemeinsam mit der dynamischen Lichtlösung von ERCO schafft die Ausstellung ein Umfeld, in dem Licht nicht nur sichtbar macht, sondern selbst Teil der Erzählung wird.
Auf die Frage, was gutes Licht in einer Ausstellung offenbart, das sonst verborgen bliebe, antwortet Maya Binkin mit einem einzigen Wort: „Nuance." Diese Nuancen bilden den Kern von Framing Light und machen die enge Beziehung zwischen Kunst, Wahrnehmung und Licht erfahrbar.