Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser.

Ihr Browser unterstützt aktuelle Webstandards nicht. Aufgrund dessen kann es zu Fehldarstellungen und unerwartetem Verhalten auf dieser Website kommen. Für die beeinträchtigungsfreie Benutzung dieser Website, empfehlen wir Ihnen, ihren Browser zu aktualisieren.

Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser.

Ihr Browser unterstützt aktuelle Webstandards nicht. Aufgrund dessen kann es zu Fehldarstellungen und unerwartetem Verhalten auf dieser Website kommen. Für die beeinträchtigungsfreie Benutzung dieser Website, empfehlen wir Ihnen, ihren Browser zu aktualisieren.

Hintergrund

Licht und Leben im Raum

Für die Dokumentation des Louvre-Lens arbeitete ERCO erstmalig mit dem Fotografen Iwan Baan zusammen. Seine Architekturreportagen, die den Menschen in den Fokus rücken, machten ihn zum internationalen Shootingstar der Architekturfotografie. Sie entsprechen einer Haltung, die in der „Lichtfabrik“ seit jeher kultiviert wird. Wir blicken zurück auf die Entwicklung dieser Bildsprache – und auf ihren Einfluss auf unser Storytelling von morgen.

Spitzenarchitektur und große Kunst: Sie werden zur Kulisse für ganz normale Menschen, die sich Räume spontan aneignen. So sieht Architekturfotograf Iwan Baan den neuen Louvre Lens - entworfen von SANAA Architekten, im Licht von ERCO. Sein narrativer fotografischer Ansatz setzt sich über die Paradigmen der klassischen Architekturfotografie hinweg, wie sie sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts etabliert hatten. Von Vorbildern wie Julius Shulman oder Ezra Stoller geprägt, war Architekturfotografie in der Regel geometrisch, oft symmetrisch, weitwinklig mit strenger, sorgfältig entzerrter Perspektive. Sie abstrahierte, stilisierte und distanzierte so zwischen Bauwerk und Betrachter. Der Mensch war höchstens dekorative Staffage, nicht emanzipierter Nutzer oder gar Interpret der Architektur. Dem Dogma entsprach auf technischer Seite die Großformatkamera auf schwerem Stativ.

Guggenheim Museum, Bilbao, 1997. Fotograf: Thomas Mayer.
Die ERCO Perspektive: Der Fotograf sucht nicht stundenlang nach dem Blick auf ein Bauwerk, der es optimal isoliert, sondern bettet es in einen Kontext ein. Hier ist das die Bedeutung des Museums für die Stadtentwicklung Bilbaos, bekannt als "Bilbao-Effekt".


Kanzleramt, Berlin, 2000. Fotograf: Rudi Meisel
Durch die fotografische Begleitung des gesamten Bauprozesses wird auch das Verhältnis von Schöpfer und Werk zum Thema.

Leben im Raum - ein Gegenentwurf zur stilisierten Architekturfotografie
Diese Auffassung war in den 1970er Jahren derart dominant, dass jedes Abweichen davon Aufmerksamkeit garantierte. Das war allerdings nur eines der Ziele des ERCO Geschäftsführers Klaus-Jürgen Maack und des Gestalters Otl Aicher, die ab 1974 bei der Entwicklung des prägnanten ERCO Erscheinungsbildes auch nach einer eigenständigen fotografischen Haltung für das Unternehmen suchten. Das Kundenmagazin, der ERCO Lichtbericht, das 1977 erstmals erschien, sollte sich ästhetisch klar von existierenden Architekturzeitschriften absetzen. Zudem hielten Maack und Aicher eine journalistisch geprägte Reportagefotografie für das Themenfeld Licht und Architektur schlicht für angemessen. Denn der immaterielle Baustoff Licht bringt ein dynamisches Element in die ansonsten statische Architektur: Das das Leben rückt in den Blick. Der Mensch, seine Raumwahrnehmung und seine Bedürfnisse bei der Nutzung von Architektur stehen im Vordergrund eines jeden Bildes.

New York Times Building, New York, 2007. Fotograf: Frieder Blickle
Privilegierter Zugang: Die enge Beziehung von ERCO zu Planern und Bauherren, gekoppelt mit der journalistischen Professionalität der Fotografen, ermöglicht Situationen und Bilder, die anderen vorenthalten bleiben.


Royal Ascot Pferderennbahn, Ascot, Umbau 2006. Fotograf: Rudi Meisel
Humor: In der klassischen Architekturfotografie eher spärlich vertreten, bei ERCO Teil der menschlichen Existenz, wenn Rudi Meisel die Techno-Moderne der Haupttribüne in Ascot aus der Ära von "Cool Britannia“ den tradierten Verhaltensmustern der Gäste gegenüberstellt.

Die Selbstverständlichkeit, mit der ERCO heute mit dieser Bildsprache umgeht, erwuchs erst im langjährigen Zusammenspiel zwischen Unternehmen und Fotografen. In den ersten Jahrgängen des Lichtberichts erreichte die Architekturreportage noch nicht ihren späteren Stellenwert - sie teilte sich den Raum mit einer magazinhaft freien Vielfalt von Lichtthemen aus Alltag, Arbeitswelt und Kunst. ERCO rekrutierte dafür junge Fotografinnen und Fotografen aus dem Umfeld Otto Steinerts legendärer Essener Fotoklasse in der Folkwang Schule für Gestaltung sowie aus den Reihen der GEO- und Stern-Reporter – darunter bemerkenswerte Persönlichkeiten wie Timm Rautert, Rudi Meisel, Thomas Mayer, Dirk Reinartz, Frieder Blickle oder Michael Wolf, die das Unternehmen teils über Jahrzehnte hinweg begleiten sollten. Ihre Gemeinsamkeit war das narrative Talent: die Gabe, mit Bildern Geschichten zu erzählen. Nur wenige Vorgaben kanalisierten dabei die Kreativität. Im Vordergrund stand stets die Sequenz, nicht das Einzelbild. Kleinbildformat und Diafilmmaterial waren gesetzt, auch um die Produktionsprozesse schlank zu halten.

Parallel wuchs bei ERCO als Auftraggeber eine Kompetenz in Bildredaktion und Layout, die hohen Respekt vor den gestalterischen Entscheidungen der Fotografen ausdrückte. Der originale Bildausschnitt galt als unantastbar, technische Verfremdungen waren tabu. Unter diesen Bedingungen entstanden Publikationen von zeitloser Frische, die zugleich Zeitgeist und Architekturgeschichte dokumentierten: So wie die Lichtbericht-Ausgabe 57, die 1997 mit Bildern von Thomas Mayer das Guggenheim Museum Bilbao (Bild) präsentierte.

MACBA, Barcelona, 1995. Fotograf: Thomas Mayer
Der Idealfall eines ERCO Fotos: Raum, Mensch, Licht in ihrer Beziehung zueinander.


Louvre Glaspyramide, Paris, 1989. Fotograf: Lars Christ
Architektur als Prozess: Der Entstehungsprozess und die daran Beteiligten sind der ERCO Architekturreportage ebenso wichtig wie das fertige Gebäude.

Die Evolution einer Bildsprache
Trotz des großen Ansehens, das sich ERCO mit seiner fotografischen Haltung in der Architektur- und Designwelt erwarb, blieb diese Haltung immer offen für Weiterentwicklungen – getrieben von den technischen Möglichkeiten und den Persönlichkeiten der Akteure. Klassische Schwarz-Weiß-Fotografie kam ebenso zu ihrem Recht wie die in den 1990er Jahren aufkommende Reportage auf Color-Negativ-Material mit ihren erweiterten Möglichkeiten bei der Abstimmung des Farbklimas einer Serie. Mit den verschiedenen Fotomedien ließen sich innerhalb eines großen Projekts parallele Erzählstränge verfolgen, wie zum Beispiel in den Lichtbericht-Ausgaben, die aus unterschiedlichen Perspektiven über die Bau- und Beleuchtungsprojekte Reichstag und Kanzleramt (Bild) in Berlin berichten.

Al Zayed Moschee, Abu Dhabi, 2007. Fotograf: Charles Corwell, Black Star.
Fotografie als Zugang zu den Kulturen einer globalisierten Welt: Ein intellektueller Anspruch, an dem sich die ERCO Fotografie messen lassen muss.


Situation Kunst, Bochum, 2006. Fotograf: Thomas Pflaum
Kunst und Betrachter, ein Dauerthema in der ERCO-Fotografie. Die Zeitlosigkeit antiker Exponate kontrastiert mit der Gegenwärtigkeit der jungen Besucher.

Mit unterschiedlichem Tempo stellten sich die ERCO Fotografen der digitalen Revolution, wobei sich die Technik der digitalen Kleinbildkameras – insbesondere der flexible Weißabgleich – schnell als gewaltiger Fortschritt für die Fotografie von Licht im Raum entpuppte. Gerade unter extremen Lichtverhältnissen, etwa auf der Baustelle des New York Times Building von Renzo Piano (Bild), eröffnete die Digitaltechnik Könnern wie Frieder Blickle neue Spielräume der fotografischen Gestaltung.

Jenseits des Mainstreams
Eine konsequent durchgehaltene Position, ob in der Architektur, der Kunst oder der Fotografie, geht nicht mit jeder Zeitströmung konform. So entlarvten die Architekturreportagen von ERCO gnadenlos, wie sehr manche Bauten der Postmoderne auf visuelle Reize und ikonische Erscheinung setzten. Selbst innerhalb der Fotoszene bewegten sich die ERCO-Fotografen mit ihrer journalistisch-narrativen Bildsprache oft jenseits des Mainstreams, der mit dem Boom der künstlerischen Fotografie seit den 1990er Jahren entsprechende Positionen bevorzugte. Trotzdem fanden sich immer wieder junge Fotografen, die sich mit dieser Haltung identifizieren konnten: Etwa Dirk Vogel, Edgar Zippel, Sabine Wenzel oder Alexandra Lechner.

Centre Pompidou, Paris, Umbau 2000. Fotograf: Martin Müller
Ein Gebäude, tausendfach abgebildet, das der Betrachter zu kennen meint. Der Blick des Fotografen entdeckt neue Geschichten, schafft eine emotionale Atmosphäre.


Shanghai Museum, Shanghai, 1996. Fotograf: Michael Wolf
Die journalistische Vorgehensweise der ERCO Fotografen hält den Betrachter nicht auf Distanz, sondern lässt in die Architektur und das Leben darin eintauchen.

Jene Architekten, die ihrerseits prozessual, in sozialen Kontexten und offenen Systemen dachten, erkannten dagegen schnell die Stärken dieser Fotografie. Kein Zufall, dass beispielsweise Rudi Meisel Buchprojekte mit Norman Foster realisierte, Thomas Mayer über eines der umfangreichsten Bildarchive zum Werk Frank O. Gehrys verfügt – und dass Iwan Baan mit seiner Arbeit für Rem Koolhaas den Durchbruch als Architekturfotograf schaffte. Aus Baans aktueller Dokumentation des Louvre-Lens spricht ein tief empfundener Humanismus: Analog zum Konzept des neuen Museums lässt er dem Betrachter die Möglichkeit, selbstständig Muster und Zusammenhänge zu entdecken. Baan setzt die Architektur auf seinen Bildern ins Verhältnis zum Menschen einerseits und zur Umgebung andererseits. So prüft er Bauwerke auf ihre Relevanz und macht die Fotografie zu einem Lackmustest der Architektur – ein Ansatz, der manchem eher aufs Formale fokussierten Architekten nicht geheuer scheint. Dass sich die Architekturfotografie wieder mit dem Nutzungskontext eines Bauwerks, mit dem Menschen befasst, ist eine erfreuliche Entwicklung für ERCO, wo diese Sichtweise nie in Frage stand.

Pinacoteca Vaticana, Rom, 1993. Fotograf: Thomas Mayer
Auch in historischer Architektur steht immer die Aneignung durch den zeitgenössischen Nutzer im Fokus der ERCO Fotografie.


Architekturausstellung Biennale, Venedig, 2004. Fotograf: Frieder Blickle
Die Architekturbiennale – ein Anlass für ERCO, um die Beziehung von Architektur und medialer Repräsentation zum Thema zu machen.