Wie Licht sichtbar macht: Ausstellung „Foto: Hans Hansen“ im Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg

Ausstellungsraum mit Bildern an grauen Wänden und Präsentationstisch mittig.

Das MK&G Hamburg zeigt vom 17. April 2026 bis 10. Januar 2027 eine umfassende Werkschau über Hans Hansen. Mit großer Sorgfalt inszeniert unter Beteiligung des Fotografen selbst, zusammen mit Kuratorinnen, Ausstellungs- und Lichtgestaltern. Und beleuchtet mit Lichtwerkzeugen von ERCO – der Lichtfabrik, deren visuellen Auftritt der Fotograf durch seinen Blick nachhaltig prägte.

Bereits im historischen Treppenhaus des Museums stimmen großformatige Foto-Banner die Besucher auf die Ausstellung ein: Eine Bilderserie mit Glasobjekten vor weißem Hintergrund, die der 1940 geborene Fotograf 2025 anfertigte. Diese jüngsten Arbeiten sind die Essenz der Blickweise, die Hansens Werk so herausragend macht. Spielend gelingt ihm der Spagat, Gegenstände klar und unverklausuliert zu präsentieren – und zugleich zu einer Meditation über Ästhetik, Form, Material, Licht und damit das Wesen von Fotografie an sich einzuladen.

Gang, links schwarze Wand mit Aufschrift und ausgestellten Schriften.
Anordnung von Fotos auf einer weißen Wand, rechts eine Person in rotem Oberteil.
Gang, rechts schwarze Wand mit großem Bild mit Hockeyspielern.

Licht ist elementar für die Fotografie. Es war immer mein Hauptwerkzeug.

Hans Hansen

Von dieser Blickweise profitieren nicht nur Publikum, Sammlerinnen und Sammler seiner freien Arbeiten, sondern auch die vielen Unternehmen, denen Hansen in seiner langen Karriere als Studio- und Werbefotograf zu neuen Perspektiven aufs eigene Produkt verhalf – darunter auch ERCO. Im MK&G bespielten die Ausstellungsmacher neben dem Treppenhaus eine symmetrische Folge von fünf Räumen sowie die dazugehörigen Korridore im 1. Obergeschoss. Es kuratierten Dr. Esther Ruelfs, Leiterin der Sammlung Fotografie und Neue Medien des Museums, und Claire Müller, Justus-Brinckmann-Volontärin derselben Sammlung. Die Austellungsgestaltung kommt von Prof. Axel Kufus, die Grafik von Heimann + Schwantes.

Prof. Maike Mia Höhne realisierte einen Film zur Ausstellung – alles selbstverständlich in enger Abstimmung mit dem Fotografen selbst.

Vier Menschen sitzen auf einer Bank vor einer Wand mit fünf ausgestellten Bildern.

Das Licht: wirkungsvoll und wahrnehmungsgerecht

Bei der Ausleuchtung der Werke waren sich Hansen und die Lichtgestalter Carsten Sander und Björn Salzer schnell einig: Hier kam eigentlich nur Technik von ERCO in Frage. Natürlich auch wegen der engen Verbindung der Marke mit seinem Schaffen, was in der Ausstellung thematisiert wird. Vor allem aber wegen der überragenden Lichtqualität und Erfahrung der „Lichtfabrik“, was die wirkungsvolle, wahrnehmungsgerechte Beleuchtung von Kunst und Architektur betrifft.

Ausstellungsraum, mittig auf einer Bank sitzen Menschen und begutachten Leuchtenkomponenten.
Zwei Männer begutachten Linsen einer Leuchte.

Wunderbar, dass wir die Ausstellungsbeleuchtung mit ERCO Technik realisieren konnten.

Hans Hansen

Unterstützt von den Experten des ERCO Büros Hamburg setzten die Gestalter ihre Vision um: Eine extrem homogene Wandflutung als Grundierung, die einzelnen Werke durch konturierte Lichtkegel hervorgehoben – allerdings nicht mit messerscharfen Kanten, sondern minimal weichgezeichnet. Als Lichtwerkzeuge wählten Sander und Salzer LED-Konturenstrahler sowie Linsenwandfluter aus den Produktfamilien Pollux und Eclipse, die an den vorhandenen Stromschienen-Karrees in den Raumdecken installiert sind. Dort, wo auf diese Weise keine optimale Leuchtenposition erreicht werden konnte, zum Beispiel zur zenitalen Beleuchtung von Objekten oder Präsentationstischen im Raum, wurden temporär zusätzliche Stromschienensegmente abgehängt. Das Resultat korrespondiert mit der Vielschichtigkeit der Hansen’schen Bilder: Einerseits wirkt das Licht sachlich, neutral und funktional im Sinne der Sehaufgabe, nämlich den Fotografien ihre nuancierten Tonwerte zu entlocken. Andererseits lässt die weiche Wandflutung zusammen mit den leicht defokussierten Akzenten der Konturenstrahler Wände und Exponate gleichsam magisch wie von innen leuchten.

Drei Männer in Ausstellungsraum mit Leuchte in der Hand.
Detailaufnahme von Leuchten an der Decke.

Die Werkzeuge: robust und universell einsetzbar

Anlässlich der Ausstellung war es dem Museum möglich, ein passendes Kontingent dieser Lichtwerkzeuge anzuschaffen, die nach Ende der Schau in den Fundus des Museums übergehen. Um einen möglichst universellen Einsatz im Haus zu erleichtern, erfolgt die Dimmung der Strahler klassisch manuell, per Potentiometer am Gehäuse. Solche robuste und bedienungsfreundliche Technik für den Ausstellungsalltag macht ERCO Lichtwerkzeuge zu langfristig sicheren Investitionen für Museen und Ausstellungsorte aller Art. So kommen zum Beispiel auch im 2024 von Studio Besau/Marguerre und Licht 01 neu gestalteten Foyer des Museums ERCO Lösungen wie abgependelte Hi-trac Stromschienen und Parscan Strahler zum Einsatz.

Foyer mit blauen Sofas und orangefarbenen Wänden.
Empfangsbereich mit blauem Tresen und abgependelten Leuchten.

Noch bis 10. Januar 2027 können Besucherinnen und Besucher in Hamburg in die visuelle Welt von Hans Hansen eintauchen: Zu sehen sind rund 220 Fotografien aus über sechs Jahrzehnten, frühe und spätere freie Arbeiten ebenso wie Motive aus seinen ikonischen Kampagnen für Marken wie Lufthansa, Nikon, Rewe, Volkswagen und nicht zuletzt ERCO. Darüber hinaus zeigt die Schau auch Glasobjkekte, Skizzen, Archivmaterial, Equipment sowie Architekturelemente aus Hans Hansens Atelier. Präsentiert in einem Licht, das sowohl technisch als auch gestalterisch auf Augenhöhe operiert.

Ausgestellte Werbefotos an Wand und auf Präsentationstisch.
An der Wand ausgestellte Werbefotos von Jeans Werbung.
Gang, rechts großes Bild auf weißer Wand, links schwarze Wand.
Ausgestellte Bilder auf grauer Wand, davor Präsentationstisch.

Hans Hansen und ERCO

Von Anfang an ziehen sich Sujets wie Glas oder Transparenz und ein außerordentlich kenntnisreicher Umgang mit Licht durch Hansens Werk. So überrascht es rückblickend kaum, dass sich sein Weg schon früh mit ERCO kreuzte. Die Marke hatte sich in den 1970er Jahren als „Lichtfabrik“ neu definiert, mit dem immateriellen Produkt Licht, das nicht sichtbar ist, aber sichtbar macht. Der Mentor in diesem Prozess war Otl Aicher, brillanter Gestalter und Knotenpunkt in einem Ökosystem aus Designern, Fotografen, Werbern und Unternehmern, zu dem auch Hansen durch seine Zusammenarbeit mit Marken wie Lufthansa und Kreativen wie Thomas Rempen zählte. Wer, wenn nicht Hansen, sollte in der Lage sein, ein „unsichtbares“ Produkt zu fotografieren?

Weiße Wand mit ausgestellten schwarz-weiß Bildern.
Offener Katalog vor weißer Wand mit Bildausstellung.
Ausgestellte Glasskulptur auf Tisch.

Die Idee war, Licht in unterschiedlichster Form sichtbar zu machen – wie ich das umsetzte, war mir völlig frei gelassen.

Hans Hansen

Seine Fotos für die folgenden Werbekampagnen hatten einen konzeptuellen, teils geradezu didaktischen Charakter: Sie vermittelten Lichtwirkungen an Körpern und Lichtverteilungen im Raum auf hoch ästhetische Weise. Weitere Motive legten in Hansens typischer Manier die Ordnungsprinzipien von Systemprodukten dar oder blickten scheinbar neutral auf das zunehmend komplexe Produktdesign der Leuchten selbst. In dieser Phase war Hansen oft der erste „Externe“, der neue Produkte zu Gesicht bekam: Was er in den Produkten sah, prägte deren Wahrnehmung im Unternehmen selbst und – vermittelt durch Werbekampagnen und Medien wie Produktkataloge oder Kundenzeitschrift „ERCO Lichtbericht“ – in den Märkten.

Ausstellungsraum mit mittig platzierten Vitrinen.

Die überaus fruchtbare Zusammenarbeit endete erst in den späten 1990er Jahren, als ERCO in einer veränderten Medienlandschaft die großen Printkampagnen einstellte, und beschleunigte Produktentwicklungs- und Publikationsprozesse immer schwerer mit der minutiösen, oft aufwendigen Arbeit in Hansens Studio zu vereinbaren waren.

Es war ein Idealfall, an einem Thema wie Licht und in einem Gestaltungsrahmen zu arbeiten, den man selbst als positiv empfindet.

Hans Hansen

Produktkatalog gehalten über Präsentationstisch.

Produktvisualisierung bei ERCO heute

Auch aktuelle Bilder von ERCO Produkten können und wollen Hans Hansens anhaltenden Einfluss nicht verleugnen. Sie entstehen allerdings auf völlig andere Weise – in einem vollständig digitalen, virtualisierten Prozess. „Wir haben bereits um 2011 damit begonnen, Produktbilder umfänglich per CGI (Computer Generated Imaging) zu erzeugen“, blickt Christian Hoffmann, Art Director und CGI-Spezialist im ERCO Marketingteam, zurück. Dabei ging es zunächst um die vielen standardisierten Abbildungen jeder einzelnen Produktvariante für Online- und Printkataloge und erst mit zunehmenden Möglichkeiten der Technik auch um Designmotive und Illustrationen. „Die Studiofotografie der Vergangenheit definierte den Qualitätsstandard“, so Hoffmann.

Ausstellungsraum mit konturiertem großen schwarz-weiß Bild.

Der Anspruch an die computergenerierten Bilder war Fotorealismus bei Licht und Materialien. Das riesige Potential des digitalen Prozesses lag in der Entzerrung und Synchronisierung von Produktentwicklung und Publikationszyklen. Während auch digitale Studiofotografie zwingend fertige Produktmuster erfordert, beruhen die CGI-Bilder auf Konstruktionsdaten, die aus den entsprechenden Systemen exportiert und weiterverarbeitet werden. Insbesondere Varianten wie unterschiedliche Farben lassen sich rationell erzeugen, späte Änderungen am Produktdesign ohne neue Studioaufbaute nachvollziehen.

Wir haben viel von den klassischen Hansen-Motiven gelernt.

Christian Hoffmann, Art Director und CGI-Spezialist bei ERCO

Nach wie vor existieren nebeneinander die neutralen, sachlichen Artikelbilder einerseits und inszenierende, illustrierende Darstellungen andererseits: „Bilder, die mit High-Key- oder Low-Key-Ästhetik das Interesse wecken sollen – hier haben wir viel von den klassischen Hansen-Motiven gelernt“, sagt Hoffmann.

Schwarz-weiß Aufnahme von Mann, der durch altes Kameragerät blickt.
Schwarz-weiß Aufnahme von alter Fotoaufnahme.

GERTI ALMA ERFURT (* 1989) Aus einer Serie über eine Produktion des Ateliers Hans Hansen für ERCO.

Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Die technische Plattform nutzt dabei Standardwerkzeuge: Daten aus Konstruktionstools, die gesamte CGI-Pipeline in 3ds Max, V-Ray als Renderer sowie nachgelagerte Griffe in den Adobe Werkzeugkasten. Das Geheimnis qualitätvoller CGI-Bilder liege, so Hoffmann, woanders: In der stetigen Weiterentwicklung durch ästhetische Experimente bei zugleich straffen gestalterischen „Leitplanken“, die die Kreativität beflügeln. „Wer die Regeln beherrscht, darf sie brechen“, zitiert der CGI-Spezialist augenzwinkernd eine Maxime, die bereits in der Zusammenarbeit von ERCO mit Otl Aicher galt.

Außenansicht eines großen Gebäudes, Zugschienen im Vordergrund.
Plakat mit Werbung für eine Ausstellung an Fassadenwand.

Über den Autor:

Portrait Martin Krautter

Martin Krautter arbeitet als freier Autor und Journalist in Offenbach am Main. Nach einem Industriedesign-Studium an der HfG Offenbach war er von 1998 bis 2013 bei ERCO in Lüdenscheid für die Medienarbeit und Redaktion verantwortlich. www.m-krautter.de