Licht als Sprache zur Gestaltung des Museumserlebnisses
In Copiapó, in der trockensten Wüste der Erde, reagiert das neue Regionalmuseum von Atacama — entworfen von Max Núñez Arquitectos — auf den Wunsch, die kulturelle Infrastruktur der Stadt zu erweitern. Es ist Teil einer Politik, die auf den Ausbau der Museumsinfrastruktur in Chile ausgerichtet ist.
Die kuratorische Erzählung gestaltet eine Reise durch die geologischen, paläontologischen, historischen, kulturellen und natürlichen Meilensteine, die die territoriale Identität der Region prägen. Die Beleuchtung folgt dieser Erzählung und formt eine Abfolge von edukativen, sinnlichen und einprägsamen Erfahrungen für die Gemeinschaft.
Das Lichtdesign ist als Intervention konzipiert. Sie geht über die rein konservatorisch ausgerichtete Beleuchtung der Exponate hinaus und schafft räumliche Qualitäten, die die museografische Erzählung stärken. Gleichzeitig setzt sie die Architektur atmosphärisch in Szene.
In der Galerie zur marinen Biodiversität wird eine 8,5 Meter hohe transluzente Wand spektakulär betont, hinterleuchtet in Blautönen mittels RGBW-Streiflicht vom Boden ausgehend. So wird eine immersive Atmosphäre erzeugt. Im Vordergrund wird der Blauton durch RGBW-Strahler in einer Stromschiene intensiviert. In der Galerie zur Küsten- und Hochgebirgsbiodiversität rekonstruiert Licht die natürlichen Bedingungen des Territoriums auf vertikalen Flächen. Auf Bodenebene werden in der Ausstellung „Menschliches Leben in der Region Atacama“ Gobo-Projektionen als gestalterisches Mittel eingesetzt, um Lichtstimmungen zu erzeugen und die Bereiche zu indigenen Kulturen, zur spanischen Kolonisation und zur Moderne mit Texturen anzureichern.
Uniscan Strahler mit Darklight-Technologie sorgen entlang des gesamten Rundgangs für visuellen Komfort, während es unterschiedliche Lichtverteilungen — von narrow spot bis flood sowie framing — ermöglichen, jede Szene präzise mit einem einzigen Werkzeug zu definieren. Die Kombination verschiedener Lichtfarben (3500 K, tunable White und RGBW) begleitet die unterschiedlichen Sequenzen des Ausstellungsparcours.
Der Einsatz von RGBW-Technologie, der in Museumsumgebungen noch vergleichsweise ungewöhnlich ist, erweitert die narrative Dimension durch Wandflutung, farbige Akzente und Projektionen, die die Landschaft und Identität der Atacama-Region evozieren.
Das Projekt wurde mit dem Premio Aporte Urbano (PAU) 2025 in der Kategorie Öffentliches Gebäude ausgezeichnet und würdigt damit seinen Beitrag zur städtebaulichen, kulturellen und denkmalpflegerischen Entwicklung der Region.