Kaiserforen, Rom
Reportage

Geschichte mit Licht modelliert: die römischen Kaiserforen

Eines der prestigeträchtigsten Beleuchtungsprojekte der letzten Jahre in Italien ist vollendet - die antiken Kaiserforen in Rom erstrahlen seit April 2015, dem Tag des Stadtgeburtstages, in neuem Licht. Mit Hilfe von ERCO Lichtwerkzeugen wurde hier ein narratives Beleuchtungskonzept realisiert.

Es war ein wenig wie bei einer Filmpremiere. Am Abend des 21. April, der in Rom traditionell als Geburtstag der Stadt feierlich begangen wird, versammelte sich an den Fori Imperiali viel Prominenz - darunter neben dem Bürgermeister, dem Minister für kulturelle Angelegenheiten und weiteren geladene Gästen, zahlreiche Pressevertreter sowie rund 35.000 an der Veranstaltung interessierte Römer und Touristen. Sie waren gekommen, um die neu installierte Beleuchtung dieser antiken Denkmäler erstmals zu erleben. Das Projekt, das das ausgedehnte Gebiet der Kaiserforen (einschließlich Kapitol, Palatin und Quirinal) umfasst, war auf Initiative des römischen Bürgermeisters Ignazio Marino und Dank der Sovrintendenza Capitoline (der zuständigen Oberintendantur für Kulturgüter) zustande gekommen. Das Beleuchtungskonzept und seine Umsetzung hatte man Professor Vittorio Storaro und der Architektin Francesca Storaro anvertraut. Die Ausführung lag bei dem städtischen Unternehmen Acea Illuminazione Publicca Spa. Als dann in der Abenddämmerung, nach einführenden Erläuterungen von Vittorio und Francesca Storaro, die Beleuchtung dieser antiken Denkmäler schrittweise angestellt wurde, brandete spontaner Beifall auf. Man zeigte sich begeistert über eine lichtplanerische Großtat, die einen neuen Blick auf die Altertümer ermöglicht.

Mit Licht die Geschichte der römischen Architektur schreiben
Die antiken Kaiserforen gehören zu den bedeutendsten archäologischen Stätten der italienischen Hauptstadt und zu den wertvollsten kulturellen Zeugnissen der an Kunstschätzen reichen „Ewigen Stadt“. Es handelt sich dabei um repräsentative, einst von prächtigen Bauwerken gesäumte Platzanlagen, die in der frühen Kaiserzeit als Erweiterung des Forum Romanum entstanden waren. Selbst in ihrer heutigen ruinenhaften Erscheinung lassen die nach ihren Erbauern benannten Foren noch die Pracht und den architektonischen Glanz der antiken Weltmetropole erkennen.
Mit ihrem Beleuchtungskonzept für die Kaiserforen verfolgten Vittorio und Francesca Storaro ehrgeizige Ziele. Mit der visuellen Sprache des Lichtes wollen sie die Geschichte bedeutender historischer Personen und ihrer Bauwerke erzählen. Licht und Architektur sollen zusammenspielen, um einerseits die individuelle Persönlichkeit der drei Kaiser Augustus, Nerva und Trajan und andererseits den Symbolgehalt der von ihnen errichteten Foren darzustellen.

Das grundlegende Lichtkonzept für die einzelnen Foren ist, wie die Planer erläutern folgendes: „monodirektional (d.h. nur in eine Richtung verlaufend) für das Augustusforum, axial für das Nervaforum und zentrifugal für das Trajansforum.“ Dabei wird die Symbolik des Lichtes genutzt, um die zentralen Elemente jeden einzelnen Forums zu herauszustellen. Warmweisses Licht (3000 K) erhellt jeweils die charakteristischen architektonischen Details. Für die übrigen Bereiche der Foren wird neutralweisses Licht (4000 K) verwendet. Durch warmweisses Licht werden im Augustusforum der Tempel des Mars Ultor, im Nervaforum die Colonacce sowie das Fundament des Minerva Tempels und im Forum des Trajan die Trajanssäule und die Ulpia-Basilika betont. Im Lichtkonzept der Storaros rührt das warme Licht gleichsam direkt von den Personen her, die sie repräsentieren. Die Kaiser selbst hätten das Symbol der Sonne getragen und im Verlauf ihrer Geschichte auf einen Weg des Sonnenlichtes geführt. In der inhaltlichen Begründung des Lichtkonzeptes führen Vittorio und Francesca Storaro weiter aus: „Durch die Notwendigkeit eines Gleichgewichtes zwischen den drei großen Eroberern und der Erhaltung des Friedens in den eroberten Gebieten erhält der gesamte Bereich rund um den Mittelpunkt jeden Forums eine Mondhelligkeit, eine zwischen Menschlichkeit und Gottheit, zwischen Mond- und Sonnenlicht notwendige Harmonie.“

Die Herausforderung: Präzision und Flexibilität, Effizienz und Wartungsfreiheit
Die Ziele des Beleuchtungsprojektes der drei Foren waren äußerst anspruchsvoll. Gefordert waren modernste, hocheffiziente LED-Leuchten, um maximale Beleuchtungsergebnisse bei minimalem Energiebedarf zu erreichen. Daneben legten die Auftraggeber großen Wert auf die Langlebigkeit der Leuchten. Hier ging es nicht allein um die Nachhaltigkeit der Investition, sondern vor allem darum, die notwendigen Wartungsarbeiten in diesem archäologisch so sensiblen Areal auf ein absolutes Minimum zu beschränken. Für die Storaros hingegen, für die eine optimale Umsetzung ihres Beleuchtungskonzepts im Vordergrund stand, spielte die Präzision und Flexibilität der Lichtwerkzeuge eine wesentliche Rolle.

Die Entscheidung, dieses prestigeträchtige Vorhaben mit ERCO Werkzeugen zu realisieren, spricht vor diesem Hintergrund für sich. Sie untermauert einmal mehr die herausragende Qualität der ERCO-Produkte in Bezug auf alle entscheidungsrelevanten Kriterien.

Ein aufwendiger Prozess für die perfekte Beleuchtung
Die Arbeit an diesem Projekt begann im August 2014. Nach Abschluss der Lichtplanungsphase ging man zur definitiven lichttechnischen Projektierung über. Dazu wurden ab Januar 2015 in den Foren selbst sorgfältige technische Tests vorgenommen. Die Installation der Leuchten vor Ort und die damit verbundenen technischen Vorkehrungen nahmen im März und April diesen Jahres gut fünf intensive Arbeitswochen in Anspruch. Die Storaros nutzen diese Zeit für die Feinjustierung ihres Entwurfes. Unterstützt von der Sovrintendenza Capitolina, sprich der zuständigen Denkmalbehörde, einem ERCO Berater sowie dem Personal der Acea Illuminazione Pubblica, feilten die Lichtplaner an der genauen Positionierung der Leuchten, der jeweils idealen Lichtverteilung und Lichtstärke. Auf Wunsch von Vittorio und Francesca Storaro, die bisweilen einen besonders weichen Verlauf der Lichtintensität forderten, wurden die Sperolithlinsen-Linsen bisweilen mit speziellen Filtern ausgestattet. Zeugen dieser intensiver Arbeitsphase berichten beeindruckt von der Sorgfalt, der Professionalität und dem unbedingten Qualitätsanspruch, den die Lichtplaner dabei an den Tag legten – bis das Werk zwei Tage nach der Premiere vollendet war, aber das Ergebnis rechtfertigt diesen Aufwand.

Storytelling mit Licht
Für das Relighting der Kaiserforen, die eine Grundfläche von rund 20.000 Quadratmeter einnehmen, wählten Vittorio und Francesca Storaro aus dem umfassenden ERCO-Außenraumleuchten-Programm sowohl Scheinwerfer, Fluter und Wandfluter - Lightscan, Parscoop, Grasshopper und Beamer - als auch Fassadenleuchten - Lightscan und Focalflood - aus. Insgesamt wurden für das Projekt etwa 520 Leuchten mit einer Gesamtleistung von 26 Kilowatt verwendet. Mit Ausnahme von Focalflood kommen die Modelle jeweils in verschiedenen Leistungsklassen zum Einsatz. Insbesondere im Zusammenspiel mit den auswechselbaren ERCO-Spherolitlinsen, die ein breites Spektrum von Lichtverteilungen ermöglichen, garantiert das genau jene hochgradig differenzierten Lichtlösungen, nach denen ein derart ausgefeiltes Beleuchtungsprojekt verlangt.

Der Einsatz zweier Lichtfarben - Neutralweiß und Warmweiß -, verdeutlicht die architektonische Struktur der Kaiserforen. Leuchten mit warmweißem Licht erhellen die wichtigsten, für die jeweiligen Foren typischen Elemente. Im Nervaforum sind das die Colonacce mit dem Minerva-Relief - ein Fragment des Säulenumgangs, der dieses Forum einst räumlich fasste. Im Forum des Augustus steht der Tempel des Mars Ultor im Zentrum der Aufmerksamkeit. Im Forum des Trajan schließlich wird neben der Trajanssäule die doppelte Säulenreihe der Basilica Ulpia hervorgehoben. Für die Beleuchtung der übrigen Objekte und Flächen, die gleichsam als Folie für die Hauptsehenswürdigkeiten dienen, kommt hingegen neutralweißes Licht zum Einsatz. Auch in diesem zentralen Punkt ihres Beleuchtungskonzeptes können sich die Lichtgestalter auf die besondere Qualität der ERCO-LED-Technologie verlassen: Dank einer strengen Selektion der verwendeten Dioden überzeugen die ERCO-Lichtwerkzeuge durch ihre optimal einheitliche Lichtfarbe.

Magisches Streiflicht für das Relief der Trajanssäule
Das Relighting der Kaiserforen überzeugt in ästhetischer und in didaktischer Hinsicht gleichermaßen. Besonders deutlich wird die außerordentliche Qualität dieses Beleuchtungsprojektes an der berühmten Trajanssäule: Diese rund 30 m hohe Bildsäule, die in fast filmisch wirkender Weise von den glorreichen Feldzügen des Kaisers erzählt, ist im Tageslicht immer nur partiell „lesbar“. Denn nur im Steiflicht ist das flache Relief dieser Bildergeschichte hinreichend zu erkennen. Dank der nächtlichen Beleuchtung entfaltet sich die Erzählung jetzt kontinuierlich und aus jeder Perspektive klar erkennbar - ein ästhetischer und historischer Gewinn, den die Welt Maestro Vittorio Storaro und der Architektin Francesca Storaro verdankt.

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