Dom zu Mailand
Reportage

Majestätische Dimensionen erlebbar machen: Das Relighting des Mailänder Doms

„Longh cume la fabbrica del Domm“, sagen die Mailänder in lombardischem Dialekt, wenn eine Sache kein Ende nimmt. So lange wie der Dombau – denn an der Kathedrale im Herzen der norditalienischen Metropole wird seit 1368 gebaut. Das neue Licht verantwortet ERCO mit effizienten LED-Lichtwerkzeugen.

Die Fassade des Doms wurde erst unter Napoleon fertiggestellt, der sich dort 1805 zum König von Italien krönen liess. Und die „Veneranda Fabbrica del Duomo di Milano “, die ehrwürdige Dombauhütte zu Mailand, versammelt heute wie vor Jahrhunderten Baumeister und Handwerker, die sich um die Vollendung und Erhaltung des Kirchenbaus kümmern – und damit nicht nur für Erhalt und Restauration der originalen Substanz zuständig sind, sondern auch für die Bereitstellung zeitgenössischer Funktionalitäten wie Zugangskontrolle, Klimatisierung oder Beleuchtung.

Raumdimensionen mit Licht definieren
Diese Experten galt es also zu überzeugen, als anlässlich der diesjährigen Weltausstellung EXPO 2015 in Mailand das Innere des Doms neu beleuchtet werden sollte. Zum Glück sind die Lichtplaner von Ferrara Palladino e Associati, Mailand, mit dem Gebäude wie auch mit der Dombauhütte bestens vertraut: Bereits im Jahr 2000 hatten sie an der Fassadenbeleuchtung des Doms gearbeitet. Dennoch – eine gigantische Aufgabe, denn der Dom gehört zu den größten Kirchenbauten der Welt. Er ist 157 Meter lang, das Querschiff ist 92 Meter breit und das Längsschiff ist 45 Meter hoch. Diese majestätischen Dimensionen für die Besucher erlebbar zu machen, stand für die Lichtplaner im Vordergrund: „Tatsächlich – der erste Aspekt, den es zu berücksichtigen gilt, ist die Monumentalität der gesamten Architektur. Die beeindruckende Größe, ihr überwältigender Maßstab, der uns von dem Moment an begleitet, wenn wir durch das Hauptportal eintreten, erklärt Pietro Palladino seinen Entwurfsansatz: „Mit diesen Größenordungen müssen wir uns unmittelbar auseinandersetzen“.

Das Licht soll in seinem Konzept den nach oben strebenden Charakter der gotischen Architektur daher ebenso betonen wie die Weite des Kirchenraums. Es soll, mit den Worten Palladinos, „zu einem Instrument werden, das die Erhabenheit dieses Bauwerks hervorhebt und dem Dom als dem wichtigsten Gotteshaus der Stadt Ehre erweist.

Gläubige und Touristen werden den Dom auf eine völlig neue Weise wahrnehmen

Im Licht der alten Beleuchtungsanlage des Doms erschien der Raum dagegen spannunglos, ja beinahe vernachlässigt: Fluter mit 400W-Hochdrucklampen waren in Höhe des Gewölbeansatzes montiert und beleuchteten den Raum von dort aus weitgehend undifferenziert mit kühlem Tageslichtcharakter. Eine heute unbefriedigende Lösung, dem Umstand geschuldet, dass zu ihrer Entstehungszeit keine Lichtquellen mit besserer Effizienz und längerer Lebensdauer verfügbar waren. Wartungs- und Betriebskosten sind für die Dombauhütte angesichts ihrer vielfältigen Aufgaben stets ein kritisches Argument, da diese – typisch für kulturelle Institutionen – aus dem begrenzten laufenden Haushalt bestritten werden müssen, wogegen für einmalige Investitionen oftmals Sondermittel, Zuschüsse oder Spenden aufgebracht werden können.

Ein neues Niveau von Lichtqualität
Umso offener waren die Auftraggeber daher für das Konzept der Lichtplaner, mit Hilfe von LED-Technik einerseits qualitativ ein neues ästhetisches Niveau zu erreichen, andererseits die einmalige Investition in hochwertige Lichtwerkzeuge durch langfristig eingesparte Energie- und Wartungskosten zu amortisieren. Indem die Planer den Montageort am Gewölbeansatz in über 30 Metern Höhe beibehielten, kann die vorhandene Elektroinstallation weitergenutzt werden. Außerdem befinden sich die Leuchten so außerhalb des Blickfeldes der Besucher und können zugleich optimal auf Objekte und Flächen im Kirchenraum ausgerichtet werden. Der entscheidende Schritt zu einem differenzierten Lichtkonzept war die Entscheidung für eine deutlich größere Zahl von Leuchten, um mit unterschiedlichen Leistungen und Lichtkegel-Geometrien spezifische Beleuchtungsaufgaben im Raum optimal erfüllen zu können. Eine solche Vielzahl von Leuchten an einem so schwer zugänglichen Montageort hätte mit konventioneller Technik kaum zu bewältigende Wartungsprobleme erzeugt – erst die wartungsfreien LED-Leuchten schaffen diesen Spielraum für die Lichtplanung.

Das Konzept von Ferrara Palladino integriert mehrere Komponenten: Zum einen die gleichmäßige Ausleuchtung der gotischen Gewölbe, die erstmals auf diese Weise dargestellt werden. Durch diese Deckenflutung erscheint der Raum hoch und licht. Das indirekte Licht verbindet sich mit zusätzlicher zenitaler Beleuchtung der Bodenflächen „zu einer Art Teppich aus Licht, der die Räume verbindet und den gesamten Eindruck milder werden lässt, wie es Pietro Palladino beschreibt. Innerhalb dieser Grundbeleuchtung schafft Akzentbeleuchtung Kontraste, um die Wahrnehmung zu lenken: Auf die Rhythmik der schlanken Säulen, aber auch auf einzelne herausragende Objekte wie Heiligenskulpturen, Altare und Gemälde. Für solche Beleuchtungsaufgaben, bei denen über Distanzen von 40 oder 50 Metern deutlich wahrnehmbare Helligkeitskontraste geschaffen werden sollen, werden besonders eng strahlende Strahler mit hohem Lumenpaket benötigt, wie sie ERCO dank der innovativen Spherolit-LED-Optiken anbieten kann. Die Planer spezifizierten zwar keine elektronische Lichtsteueranlage, aber sie strukturierten die Beleuchtung in schaltbaren Gruppen, um für unterschiedliche Anlässe und Nutzungssituationen entsprechende Lichtszenen wählen zu können.

Unterm Strich: Eine nachhaltige Lösung
Eine virtuelle Überprüfung des Lichtkonzepts unter Einsatz von ERCO LED-Leuchten fand mit Hilfe der Lichtplanungssoftware DIALux statt. Bei der Berechnung zeichnete sich bereits ab, dass trotz der im Vergleich zur Altanlage höheren Anzahl an Leuchten eine Reduzierung des Energieverbrauchs um fast zwei Drittel möglich ist – die Investition in Lichtqualität wird durch eingesparte Energie- und Wartungskosten auch wirtschaftlich kalkulierbar. Aber auch bei Mock-Ups in der Praxis überzeugten die LED-Leuchten aus der Parscan-Familie durch die Brillanz und Präzision, mit der sie die enormen Beleuchtungsdistanzen überbrückten. Weitere Anforderungen der Planer wie eine Lebensdauer von über 50.000 Stunden, eingebaute Dimmer zur Helligkeitsabstimmung bei der Installation sowie die fixierbare Ausrichtung erfüllten die Parscan Strahler serienmäßig, und auch das kompakte Produktdesign fand Anklang: „Die einzelnen Leuchten mit ihren geringen Abmessungen fügen sich unaufdringlich in ihre Umgebung,“ resümiert Palladino zufrieden.

Die einzelnen Leuchten mit ihren geringen Abmessungen fügen sich unaufdringlich in ihre Umgebung

Und wie sieht die energetische Bilanz aus? Trotz der höheren Leuchtenanzahl von 784 Stück hat sich die Anschlussleistung tatsächlich von 70kW auf 23,7 kW reduziert. Für diesen Erfolg erhielt das Projekt das Energielabel A+ und ERCO als Lieferant eine Auszeichnung beim Öko-Innovationspreis 2015 der italienischen Umweltorganisation Legambiente. Damit erweist sich das neue Licht im Mailänder Dom sowohl ästhetisch als auch funktional als richtungsweisend, wenn es um die energetische Sanierung der Beleuchtung von Sakralbauten und anderen historischen Baudenkmälern geht.

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